Juliana Danner
Juliana Danner Juliana ist die Gründerin und Geschäftsführerin von ON AND OFFER. Sie hat über 10 Jahre als Art Direktorin in der Werbung gearbeitet. Bevor sie die Idee zur Active Connecting Plattform hatte, war sie als Personalberaterin tätig – spezialisiert auf Kreativprofile. Seither befasst sie sich intensiv mit zukunftsrelevanten Arbeitsformen in der Kreativbranche, modernem Recruiting, New Work, Ausrichtung sowie Positionierung von Kreativen am Markt und Nachwuchsförderung.

Der Mensch im Zentrum der Personalsuche – nicht die Stellenanzeige

Lesezeit: 2 Minuten

Die Zeit, die es braucht um eine Stelle zu besetzen (Time-to-Hire), ist in den letzten Jahren weiter angestiegen. Diese Entwicklung wird auch durch eine Forsa-Umfrage* im Auftrag von Xing E-Recruiting gestützt: Die Time-to-Hire ist bei 73 Prozent der befragten Personalleiter*innen angestiegen – bei 30 Prozent sogar stark angestiegen.

Etwa die Hälfte der Personalleiter*innen benötigen drei bis sechs Monate, um offene Stellen für Führungskräfte zu besetzen.

Die Personalsuche zieht sich deutlich in die Länge. Für Unternehmen bedeutet das steigende Recruiting-Kosten und auch für Bewerber*innen kann das schnell ins Geld gehen. Dazu kommt noch der emotionale Druck auf beiden Seiten.

Der klassische Stellenmarkt geht von einer Anzeige aus, die durch ein Unternehmen ausgeschrieben wird. Bewerber*innen müssen sich eigenständig am Markt orientieren, Anzeigen finden, diese bewerten und sich dann bewerben. Gerade kreative Menschen sind mit der Jobsuche oft überfordert, da ihnen eine strukturierte Vorgehensweise schwer fällt. Trotzdem dreht sich noch immer alles um die Stellenanzeige – ein Instrument, das meiner Meinung nach absolut nutzlos ist.

Dann wurde Active Sourcing populär und Unternehmen begannen – in einer Art Goldgräberstimmung – nach Talenten zu suchen. Aber auch hier sind Recruiter*innen extrem beschränkt, zum Beispiel durch Suchalgorithmen. Außerdem können sie nicht wissen, ob ihr Gegenüber gerade auf der Suche ist oder nicht. Menschen mit einem gefragten Profil können schnell genervt sein von der Flut an unpersönlichen Anfragen. Wer kennt sie nicht, diese wenig spezifischen Nachrichten, die dich erahnen lassen, dass du nicht die einzige Empfänger*in bist. Mit etwas Glück ist sogar dein Name richtig geschrieben. Keine solide Grundlage, um eine Geschäftsbeziehung zu beginnen.

Dann gibt es noch die zahlreichen Personaldienstleister*innen, Headhunter*innen oder externe Recruiter*innen. Viele Branchen – so auch die Kreativbranche – lagern ihre Suche immer mehr aus. Sicher ist es einfacher die Stellenbesetzung komplett auszulagern, aber ist es auch nachhaltig? Meines Erachtens ist gerade die erste Ansprache einer potentiellen Kandidat*in gegenüber elementar. Der erste Eindruck und das damit verbundene Gefühl ist weitaus bedeutsamer als viele denken. Überlässt das Unternehmen den Erstkontakt einer Mittler*in, stärkt das nicht gerade die Arbeitgebermarke.

Eine Frage, die ich mir in meinem früheren Job als Personalvermittlerin immer gestellt habe – und auch heute noch stelle: “Warum braucht es eine ganze Branche drum herum, wenn es doch eigentlich um die Beziehung zwischen Kandidat*in und Unternehmen geht?”

Was wäre, wenn Kreative und Unternehmen sich auf einem viel kürzeren Weg abchecken und kennenlernen könnten? Ich bin überzeugt, dass das eigentliche Problem weniger der Mangel an kreativen Talenten oder spannenden Jobs ist. Vielmehr müssten beide Seiten nur effektiver zusammenfinden.

Gerade in der Kommunikations- und Kreativbranche hat sich der Arbeitgebermarkt längst hin zum Arbeitnehmermarkt gewandelt. Das ist schon seit Jahren kein Geheimnis mehr. Nur warum verhalten sich viele Agenturen und Unternehmen noch immer nicht danach? Bewerbungsgespräche beginnen nach wie vor mit Sätzen, wie: “Erzähl uns doch mal, warum wir dich einstellen sollten?” Als wäre ein Bewerbungsgespräch eine Einbahnstraße. Es ist aber vielmehr ein gegenseitiges Kennenlernen.

Sicherlich geht es primär um die individuellen Fähigkeiten und die beruflichen Qualifikationen. Ebenso sollte es um die persönlichen Lebensumstände und die Wünsche der Bewerber*innen gehen. Das Wort Bewerber*in suggeriert bereits, dass man Werbung für sich selber machen sollte. Müsste das  nicht gleichermaßen für das Unternehmen gelten? Und damit meine ich nicht, dass der Kandidat*in alle möglichen Versprechungen gemacht werden. Wer auch nachhaltig überzeugen möchte, sollte ein möglichst realistisches Bild vermitteln, mögliche Synergien aufzeigen und den Menschen in den Fokus rücken.
Eine Checkliste vordefinierter Parameter abzuarbeiten, macht auch die beste Personaler*in blind für Potentiale, die über das Gesuchte hinausgehen.

Daher meine Bitte: Trefft euch auf Augenhöhe und sprecht darüber, wie ihr euch gegenseitig voranbringen könnt. Wertschätzung auf beiden Seiten ist der Beginn einer nachhaltigen Beziehung.

Für die Unternehmen, die das alles bereits beherzigen, gibt es einen virtuellen Schulterklopfer. Weitermachen! Wer noch Hilfe bei der Neuausrichtung braucht, schau dir gerne unser Beratungsangebot für Kandidat*innen und unser Workshopangebot für Unternehmen an.


*Forsa-Umfrage mit 200 Personalleitern aus Unternehmen ab 200 Mitarbeitern in Deutschland; branchenübergreifend; Befragungszeitraum: 6. bis 31. August 2018

Juliana Danner
Juliana Danner Juliana ist die Gründerin und Geschäftsführerin von ON AND OFFER. Sie hat über 10 Jahre als Art Direktorin in der Werbung gearbeitet. Bevor sie die Idee zur Active Connecting Plattform hatte, war sie als Personalberaterin tätig – spezialisiert auf Kreativprofile. Seither befasst sie sich intensiv mit zukunftsrelevanten Arbeitsformen in der Kreativbranche, modernem Recruiting, New Work, Ausrichtung sowie Positionierung von Kreativen am Markt und Nachwuchsförderung.

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Juliana Danner Juliana Danner
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